
Gestern war ich beim schwedischen Botschafter eingeladen. Leider kann er sich meinen Namen immer noch nicht merken. Er residiert recht vornehm in einem barocken Palais gleich bei der Strudlhofstiege. Kollege Sch. und ich waren leider übelst underdressed, weil wir direkt vom Büro aus in die Botschaft gefahren sind - alle anderen Gäste waren offensichtlich zwischendurch zu Hause und hatten sich frischgemacht und die beste Abendgarderobe angezogen. Dabei war der Anlass recht profan und den schönen Kleidern gar nicht würdig - das Palais war Schauplatz einer Hausmesse mit teuren schwedischen Möbeln. Wie ein Ikea-Schautag für Reiche. Den Botschafter haben wir dann auch gar nicht getroffen, sondern lediglich eine ganze Reihe blutjunger schwedischer Handelsattaches mit Fönfrisuren. Immerhin gab es statt Hotdogs zum selberbelegen Pellkartoffeln mit gotländischen Trüffeln (“Die haben wir heute einfliegen lassen”) und Canapees mit Lachspüree, die von hübschen Kellnerinnen auf Platten aus schwedischem Schiefer durch die Menge getragen wurden.

Anstatt uns mit den hochnäsigen anderen Besuchern die Möbelschau anzusehen, zogen wir es dann vor, uns mit Cocktails aus der Bar in die Bibliothek des Botschafters zurückzuziehen. Kollege Sch. ist ein Josef-Frank-Experte und wusste zu berichten, das die Bibliotheken sämtlicher schwedischen Botschaften mit Möbeln von Herrn Frank ausgestattet sind. Zufrieden liessen wir uns in die schweren rosafarbenen Fauteuils “Nr. 336” sinken, tranken unsere Cocktails ohne zu kleckern und philosophierten ein wenig.
Bei der nächsten Einladung in die Botschaft werden Kollege Sch. und ich vorher wohl doch noch mal nach Hause fahren.