
Diese schöne Illustration (und die zweite weiter unten) erreichte uns vor wenigen Tagen aus Stockholm: ein Geburtstagsgeschenk von Frau J. in Form von zwei feinen Untersetzern mit Mumin-Motiven. Vielen Dank! Aber es steckt natürlich mehr darin als in alltäglichen Bierfilzen:
In ihrer philosophischen Tiefe und Abstraktion sind sie durchaus eines Wittgensteins würdig - und das in der Tarnung einer Kinderbuchzeichnung. Snorkfräuleins Antwort auf Mumins doch eher plumpen, gleichwohl liebenswürdigen, Annäherungsversuch trägt die zentnerschwere Last der Erkenntnis in sich und verheisst gleichzeitig eine vielversprechende Zukunft. Das Snorkfräulein zeigt sich als freigeistiges Wesen, das sich über die gesellschaftlichen Konventionen (Kocktail, Kuckuckspolka, Kinder, Küche, Kirche) hinwegsetzt und ihren eigenen Weg geht. Darin gleicht sie ihrer Schwester im Geiste, Pipi Langstrumpf, geht dabei aber viel anmutiger und beinahe elfenhaft vor. Mumin weiss das alles natürlich genau, lässt sich aber nicht von ihrer Eigensinnigkeit beirren und zeigt seine tiefe Zuneigung ohne Rücksicht auf Verluste - gleichzeitig wagt er diese Offenbarung aber nicht, ohne sich vorher Mut anzutrinken. Wer will, sieht darin den verschlossenen, aber trinkfreudigen Skandinavier aus dem Alltagsklischeebaukasten.

Mumins mephistophelisches Angebot an die alten Damen dagegen ist wohl eher der anarchischen, abenteuerlustigen Seite des Mumin-Charakters geschuldet. (Der Dämon, der ihm die Idee eingeflüstert hat, sitzt offensichtlich zu seinen Füssen.) Die “Ladies”, Sinnbild der Altersweisheit und Abgeklärtheit, sind natürlich viel zu schlau, um ihn nicht zu durchschauen, werden aber von der Sehnsucht gepackt und schauen fasziniert auf die verheissungsvolle Flasche in seiner Hand. Was im nächsten Augenblick passieren wird, lässt die Künstlerin natürlich offen.
Man könnte stundenlang darüber nachdenken, am Besten bei einem Glas “Elixir of Life”, das man dann auf dem neuen Untersetzer abstellt. Giess mir doch bitte noch mal ein!

Im Übrigen sind die Mumins natürlich immer eine Empfehlung wert - am Besten in Form der Kinderbücher ihrer Erfinderin Tove Jansson, die den bizarren Kosmos des Mumintals und seiner exzentrischen Bewohner am charmantesten wiedergeben. Für Kinder ist das ganze übrigens eher schwierige Kost, ohne jemanden davon abschrecken zu wollen. Die Zeichentrickfilme sind allerdings überflüssig, die Filzanimationsfilme, die in meiner Kindheit im Fernsehen liefen, vielleicht noch ganz akzeptabel.