
Neulich unterhielten wir uns zufällig über die Fernsehsendung “Was bin ich?”. Ich kann mich noch daran erinnern, sie als Kind gelegentlich gesehen zu haben. Unglaublich, mit wie wenig Aufwand man damals Fernsehen gemacht hat - sowohl technisch als auch intellektuell, ohne den Beteiligten zu nahe treten zu wollen.
Ich meine, 4 Schreibtische, ein Gong, ein paar Sparschweine und die immergleichen 5 leicht spiessig aussehenden Herrschaften, die die immergleichen Fragen stellen, und fertig ist Deutschlands langlebigste Quizshow? Das war wirklich das Goldene Zeitalter der Fernsehunterhaltung. Mit dem Konzept wäre heute kein Sendeplatz mehr zu gewinnen.
Dabei wäre das Ergebnis in kommerzieller Hinsicht fabelhaft: Jede Sekunde Werbespot im Rahmenprogramm kostet wahrscheinlich mehr als die ganze Sendung. Da könnte man ruhig auch mal das Honorar der Gäste erhöhen: 5 Mark für jedes “Nein” waren ja nicht gerade großzügig. Und bestimmt wusste keiner der Gäste, dass Guido, Annette, Hans und Anneliese pro Sendung 1000 Mark kassierten, Robert Lembke sogar 6000 Mark.
Und da heisst es, früher wäre das Fernsehen viel besser gewesen. Effektiver immerhin - was ja oft genug auch besser ist. Ausserdem war so eine Show nach einer halben Stunde vorbei, und man konnte wieder was Gescheites tun, eine Hose flicken oder ein Buch lesen zum Beispiel. Und sich am nächsten Tag mit den Kollegen über Annelieses Frisur unterhalten, weil alle garantiert dasselbe gesehen haben - das ozeanische Gefühl.
Werbeunterbrechungen waren damals noch unbekannt (gab es überhaupt schon Fernsehwerbung?). Das heisst, man musste sich 30 oder 45 oder auch 90 Minuten am Stück auf eine Sendung konzentrieren - heute für viele eine Zumutung. Wann soll man sich denn da bitteschön das nächste Bier holen? Der neueste Schmäh auf diesem Gebiet ist die sogenannte “youtube attention span”: eine Zeitspanne, die einem früher kurz vorkam, z.B. 10 Minuten einer Quizshow zwischen zwei Werbeunterbrechungen, erscheint einem heute episch lang und nicht enden wollend wie ein Visconti-Film, weil man gewohnt ist, Sendungen nur noch in minutenkurzen Häppchen aus dem Internet zu sich zu nehmen.

Analog dazu schlage ich einfach mal die “youtube aspect ratio” vor: der neue Flachbildschirm aus dem Sonderangebot kommt einem vor wie die Leinwand in einem grosszügigen Kinosaal, weil man gewohnt ist, Sendungen nur noch in eingebetteten 480x345-Pixel-Fenstern zu sich zu nehmen. Da kann ich mir den “Leopard” ja auch zu Hause angucken. Dann muss ich auch nicht Schlange stehen für die Taco-Chips, sondern mach mir die Käsesoße einfach in der Mikrowelle warm. Endlich eine schlüssige Formel fürs Kinosterben! Da hätte ja auch schon eher mal jemand drauf kommen können.
So, jetzt habe ich endgültig den Faden verloren. Daher schliesse ich mit folgender traurigen Meldung: “Ursprünglich war das Rateteam mit Peter Kottmann, Ex-Unterhaltungschef des WDR besetzt, der nach seinem Suizid jedoch bereits 1962 durch Guido Baumann ersetzt wurde.” (aus Wikipedia: Was bin ich?)