11:56 pm, tiergarten3000
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Career opportunities.

Endlich mal eine aufregende Flucht aus dem langweiligen Architektenalltag: Auftritt George Leonidas Leslie, einer der erfolgreichsten Quereinsteiger seiner Zeit! Leslie, Spross einer amerikanischen Brauerfamilie, studierte in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts Architektur an der Universität von Cincinnatti und schloss dort mit Auszeichnung ab. Nur um dann nach New York umzuziehen, wo er bald in den besten Kreisen verkehrte und das gute Leben genoss.

Um einen solchen Lebensstil zu führen, reichte aber natürlich schon damals das Honorar eines Architekten nicht aus, so dass George sich für ein anderes Geschäftsfeld entschied: Er wurde zum erfolgreichsten (und meistgesuchten) Bankräuber seiner Zeit.

Aber kultiviert, wie er war, machte Leslie es sich zum Grundsatz, gewaltlos zu rauben. Dafür war seine Ausbildung als Architekt höchst förderlich: Er plante seine Geschäfte minutiös, bis zu drei Jahren Vorbereitung waren für einen ordentlichen Raubzug notwendig. Ist im Baugewerbe nicht anders. Er führte ausgiebige Recherchen durch, eröffnete zum Schein Konten, um die Banken auszukundschaften und hob Baupläne aus. Das Schwarzbrot des Architekten.

Sodann fertigte er Modelle der Tresorräume an und baute teilweise Mock-Ups in Originalgrösse, um die Abläufe zu üben. Daran kann sich so mancher Architekt ein Beispiel nehmen! Angeblich besass er Modelle aller in den USA gebräuchlichen Tresorkammern und hatte ein Gerät konstruiert, das die Zahlenschlosskombinationen aufnehmen und wiedergeben konnte.

Schliesslich stellte er nach Abschluss der Planungen ein Team zusammen, das unter seiner künstlerischen Oberleitung zur Tat schritt und die Kohlen rausholte. Typisches Architektengehabe. Zuletzt arbeitete er sogar als Konsulent für andere Bankräuber.

Aber mit seiner “architektonischen Methode” war Leslie äusserst erfolgreich - von 1868 bis 1878 erbeutete er bei über 100 Raubzügen geschätzte 7 bis 12 Millionen Dollar. Nur einen Wermutstropfen gab es für seine Architekteneitelkeit: zu Lebzeiten blieb ihm der Ruhm versagt. Leslie war so gut, dass ihm die Polizei nie auf die Spur kam - obwohl er zeitweise für 80% aller Banküberfälle in den USA verantwortlich war. Nicht einmal seine Frau wusste über die wahren Quellen ihres Wohlstands bescheid.

Aber mit der andauernden Erfolg kam die Langeweile (typisches Architektenproblem, vermutlich): Leslie verlor das Interesse und den Biss und verbrachte mehr Zeit mit Frauen und Parties als mit der Planung neuer Projekte. Zum Verhängnis wurde ihm wahrscheinlich, dass er sich mit der Schwester eines seiner Fachplaner einliess: Nachdem ihn seine Mitarbeiter fallengelassen hatten, wurde im Juni 1878 seine halbverweste Leiche in Tramp Rock, New York gefunden.

Erst nach seinem Tod wurde seine Urheberschaft an den zahllosen Überfällen offenbart, als einige seiner früheren Helfer verhaftet werden konnten.

Eine gelungene Karriere, könnte man sagen, wenn auch etwas kurz. Und ich habe mich immer gefragt, warum es eigentlich immer noch Architekten gibt, die Porsches fahren. Erweiterung des Geschäftsfeldes wahrscheinlich.

Die Fotos stammen im Übrigen aus den Filmen “The Getaway” und “The Thomas Crown Affair” mit Steve McQueen und haben mit Herrn Leonidas Leslie nur am Rande zu tun.


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