
Endlich mal wieder ein Eintrag aus der Rubrik “obskure Komponisten”: Heute möchte ich eine Lanze brechen für Ingfried Hoffmann.
Dieser namentlich den wenigsten bekannte hervorragende Musiker, Komponist und Arrangeur begann seine Karriere Anfang der 60er Jahre in der Band von Klaus Doldinger (der später die Titelmusik für den Tatort komponierte, bei der wiederum Udo Lindenberg am Schlagzeug sass) und nahm auch unter eigenem Namen einige Jazz-Platten auf. Leider ist das meiste davon ziemlich belangloses Hammondorgel-Gedüdel, das als Wiederveröffentlichung in Coffee-Table-Jazz-Compilations sein Dasein fristet.
In Jazzkreisen allgemein gedisst wird Hoffmann, weil er sich 1970 aus der Jazzszene zurückgezogen und “nur noch” als Komponist und Arrangeur gearbeitet hat. Aber genau hier hat er Pionierarbeit geleistet: Eine ganze Generation junger Fernsehzuschauer ist mit seinen Arrangements grossgeworden - er komponierte und produzierte die Musik für die Sesamstrasse, “Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt” und weitere Kinderprogramme. Die Sesamstrasse, mit der der Norddeutsche Rundfunk absolutes Neuland betrat (in Bayern wurde sie anfangs ob ihrer Progressivität nicht ausgestrahlt), war seine ergiebigste Spielwiese. Neben der Titelmelodie (mit der Maultrommel und dem Super-Mundharmonikasolo) und Klassikern wie “Hätt ich Dich heut erwartet, hätt ich Kuchen da” tragen unzählige vergessene Kleinode seine Handschrift.

Diese Schallplatte habe ich in meiner Kindheit rauf und runter gehört - darauf sind so einige Perlen versteckt. (Jetzt spielen sie Herr M. und Frau G. gerne einmal, wenn sie nicht gerade deutschen Hiphop hören.)
Was man Ingfried Hoffmann besonders hoch anrechnen muss: Im Gegensatz zu Herrn Zuckowski und all seinen Epigonen hat er nie versucht, kindgerechte oder kindliche Musik zu schreiben und hat deshalb auch nie solche peinliche Kinderliederpampe abgeliefert. Ganz im Gegenteil: seine Stücke zeichnen sich oft durch extrem vertrackte Rhythmen und aufwendige Arrangements aus. Überhört man einmal die Abzählreimtexte, dann bleiben ausserordentlich originelle Jazz-Stücke zurück. Sowas spielt einem nicht mal eben die nächstbeste Tanzband - da hat der NDR für sein Kinderprogramm damals weder Kosten noch Mühen gescheut.
Herr Hoffmann wird am kommenden Sonntag 76 Jahre alt - da möchten wir herzlich gratulieren!