11:45 pm, tiergarten3000
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Nadelstreifen vs. Moiré

Gestern trug ich im Büro zur Abwechslung mal meinen Nadelstreifenanzug - pünktlich zum Hitzeeinbruch mit 30 Grad im Schatten. Die Kollegen waren schwer beeindruckt. Der Anlass war allerdings ein ganz anderer: ein Dokumentarfilmer, den ich mal zufällig auf dem Hannoveraner Flughafen kennengelernt habe, hatte mich zu einem Empfang der Fulbright-Gesellschaft eingeladen, wo ein Film von ihm gezeigt werden sollte. Da auf diesem Empfang - 60 Jahre Fulbright-Programm - auch der amerikanische Botschafter und die Wissenschaftsministerin sprechen sollten, dachte ich, der Anzug wäre ja wohl angemessen. Ohne Schlips war ich zwar immer noch underdressed, aber ans leckere Buffet liess man mich trotzdem. Der Film war sehr schön und informativ, das Publikum bestand zu einem guten Teil offensichtlich aus den Stipendiaten der frühen Jahre.

Gleich heute hätte es den nächsten Anlass für den Anzug gegeben - ein Fernsehteam filmte bei uns im Büro. Leider wurden wir vorher per Rundmail instruiert, keine gestreiften oder kleinkarierten Sachen zu tragen - wegen des Moiré-Effektes, der sehr lästig für den Zuschauer sei.

Am Ende gab es sowieso nur einen kurzen Schwenk durchs Büro, dafür dann ein dreistündiges Interview mit einem meiner Chefs. Das Ergebnis gibts bald oder später hier zu sehen, leider offensichtlich nur noch nach vorheriger Anmeldung. Und leider nicht im Nadelstreif.

Die Menschheit schickt seit 40 Jahren Menschen auf den Mond, aber im Fernsehen darf man keine gestreiften Anzüge tragen. Unfassbar. Beim nächsten Mal höre ich auf meinen Kollegen Jogi, der sagte: “Scheiß auf den Moiré-Effekt - der Anzug ist ur-leiwand!”


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